Horizontal City – Los Angeles

Hier kommt nun endlich der Reisebericht über unsere Tour nach Los Angeles. Schon vor dem Verlassen unseres Hostels in San Francisco war klar, dass der Aufenthalt in L.A. kein langer […]

Surfer in Santa Cruz

Santa Cruz Surfer

Hier kommt nun endlich der Reisebericht über unsere Tour nach Los Angeles. Schon vor dem Verlassen unseres Hostels in San Francisco war klar, dass der Aufenthalt in L.A. kein langer werden sollte. Gründe dafür gab es zu Genüge. Der schwerwiegendste war wohl, dass wir als Kleinstadt-Jungs die riesigen Metropolen mit all ihren Marotten langsam satt hatten. Kleiner Wiki-Ausflug: Die erweiterte Metropolregion Los Angeles fasst ca. 17,8 Millionen Einwohner und gehört damit zu den größten Ballungsräumen der Welt.

Für die Tour dorthin haben wir uns ganze 4 Tage Zeit gelassen. In Begleitung von Mutter Sonne hatten wir eine schöne Tour mit Übernachtungen auf RV Parks in Carmel, Avila Beach und Pismo Beach. Letzterer Ort war dann auch verantwortlich für einen mächtigen Sonnenbrand, den ich mir nach so vielen verregneten Tagen einfach verdient hatte. Auffallend war in diesen kleineren Strandorten vor allem die Zahl der sporttreibenden Bevölkerung. Ob Joggen, Skaten, Fahrrad fahren oder Surfen: hier hält sich jeder fit und bewegt sich.

Avilar Beach am Abend

Avila Beach

Letzte Station vor L.A. war ein Walmartparkplatz in Oxnard. Als ersten Vorort der Metropole bekamen wir hier auch den ersten Vorgeschmack auf den Verkehr, der uns erwartete. Alle paar Meilen wurde die Straße um eine neue Spur erweitert und zerplatzte Reifen zierten immer öfter den Straßenrand. Am Tag darauf erreichten wir unser Hostel, nachdem Andreas sich durch den Stadtverkehr gekämpft hatte.
Gleich bei unserer Ankunft gab es das wohl einprägsamste Erlebnis. Beim einchecken an der Rezeption stellte sich ein kleiner, älterer Mann vor, er trug einen abgetragenen Anzug, hatte schulterlanges, zerzaustes Haar und zog einen kaputten Rollkoffer hinter sich her. Beim Sprechen schaute er mit leicht verwirrtem Blick über seine Sonnenbrille. Als höflicher Ausländer möchte man niemanden nach dem ersten Eindruck verurteilen, leider war ich geistig die Checkliste für potenzielle Verrückte schon durchgegangen. Bestnote! Man kommt also ins Gespräch. Er erzählt von seinen guten Freunden, die Mitglieder der Band Yes und den Begees. Anschließend verteufelt er Drogen, viele Freunde hätte er durch sie verloren (u.a. Maurice Gibb). Er schwärmt von ein paar aktuellen Projekten, unter anderem drehe er gerade eine 3D Dokumentation: eine Hommage an seine Freunde aus den 60er und 70er Jahren. Nachdem er seine Villen in Vegas, Hamburg und London aufgezählt hat, folgt ein verrücktes Lächeln und der Griff zur Pillendose. Eine Einladung in ein Edel-Restaurant der Stadt lehnten wir dankend ab.
Ende vom Lied: noch am selben Abend wurde unsere Bekanntschaft mit unzähligen Koffern und Tüten unter Begleitung der Polizei aus dem Hostel gebeten. Er war verärgert: ein Zimmerkamerad hätte ihn bestohlen.

Venice Beach L.A.

Venice Beach L.A.

Diese kleine Geschichte spiegelt eigentlich meinen Eindruck über einen großen Teil der Stadt wieder. Viele Menschen kommen nach L.A. um berühmt zu werden. Leider schaffen es nur Wenige, in der Film- oder Musikindustrie Fuß zu fassen. Beim Rest stellt sich schnell Ernüchterung ein, oder aber, sie eifern ihr Leben lang diesem Ziel hinterher. Einige werden verrückt. Hier hat jeder eine Geschichte zu erzählen, und vor allem hat ein Jeder Freunde aus Deutschland.
Neben vielen außergewöhnlichen Menschen haben wir in den 2 Tagen Aufenthalt auch den Hollywood Boulevard besucht. Hier wurde zum ersten Mal deutlich, wieso L.A. auch „horizontale Stadt“ genannt wird, denn für die Busreise dorthin haben wir ganze anderthalb Stunden gebraucht. Im Vergleich zu anderen Großstädten wird hier verhältnismäßig wenig in die Höhe gebaut. Gebäude mit mehr als 3 Stockwerken sind, mal abgesehen vom Stadtzentrum, selten zu sehen.

Wir freuten uns außerdem über ein paar europäische Gesichter. Matthias aus Deutschland, der zusammen mit 2 Niederländern aus Richtung Florida mit einem Mietwagen nach L.A. gekommen war, begleitete uns auf der anschließenden Tour Richtung Las Vegas.