Toronto – Multikulti am Ontariosee

Ich hab eben mal in unserer riesigen Fotosammlung nachgeschlagen – am 02.Juni hieß es au revoir Montreal. Nächstes Ziel war Toronto, die größte Metropole Kanadas, die wir uns natürlich nicht […]

Ich hab eben mal in unserer riesigen Fotosammlung nachgeschlagen – am 02.Juni hieß es au revoir Montreal. Nächstes Ziel war Toronto, die größte Metropole Kanadas, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten.

Stop mal! Echt schon Toronto? Nach nicht einmal 3 Monaten Reisezeit sollten wir die letzte offizielle Station unserer Reise also schon erreicht haben? Spätestens jetzt wurde klar, dass wir einige Etappen unserer Reise im Sprint hinter uns gelassen hatten. Doch kein Grund Trübsal zu blasen, denn keiner von uns beiden hatte das Gefühl, unterwegs irgendwas verpasst zu haben. Was blieb, war jede Menge Zeit um Toronto zu entdecken, neue Bekanntschaften zu machen und Freunde zu gewinnen.


Bevor wir uns jedoch wirklich mit unserem liebgewonnenen Gefährt in die große Stadt begeben konnten, wollten wir uns vom guten Camper Van verabschieden. So verbrachten wir noch eine letzte Nacht in der gemütlichen Stube, auf einem idyllischen Fleckchen direkt am See, in der Nähe von Kingston.
Sicher gab es Momente an denen wir über Rod fluchten. Wenn der Zähler an der Tanksäule die 120$-Marke knackte, und gar nicht daran dachte stehen zu bleiben, haben wir wohl beide manchmal daran gedacht, den süßen Toyota Kleinwagen hinter uns zu kidnappen. Auch unsere Tour zum Maligne Lake, den wir nie zu Gesicht bekamen, werden wir wohl immer mit einem üblen Beigeschmack in Erinnerung behalten. Davon, und von anderen kleinen Marotten, mal abgesehen, war dieser Bus ein wirklich treuer Gefährte, der uns über so viele tausend Kilometer Asphalt, Schotter und Modder immer sicher ans Ziel brachte! In Toronto angekommen, wurde in bekannten Online-Portalen inseriert und eine schmucke Anzeige an die Hostel-Pinnwand geklebt. Rod war zum Abschuss freigegeben und die Interessenten ließen nicht lange auf sich warten. Etwa zwei Wochen und eine fiese Betrugsgeschichte später konnten wir ein paar glückliche Käufer finden, die in ihrem Sommerurlaub eine Tour an die Ostküste planten. Good luck Steve & Jess!

Mit unserer Unterkunft in Toronto konnten wir diesmal mehr als zufrieden sein. Im Clarence Castle verbrachten wir eine tolle Zeit mit netten Gästen und Betreuern. Ich möchte an dieser Stelle an Danny erinnern, der als Eigentümer wie ein Kolibri durch die Gänge schwirrte und immer einen witzigen Spruch auf den Lippen hatte. Während wir am Tag Torontos Sehenswürdigkeiten abklapperten, traf man sich abends auf der Terrasse des Hostels zur lustigen Grillrunde oder einfach nur zum gemütlichen Beisammen sein mit dem Getränk seiner Wahl. Unser Schloss war so zentral gelegen, dass wir Torontos Innenstadt zu großen Teilen zu Fuß erkundeten, so gabs vorab immer eine kleine Wanderung, die am Abend nicht selten für glühende Füße sorgte. Neben CN-Tower, Casa Loma und Royal Ontario Museum hatte Toronto noch meinen persönlichen Favoriten in petto – Toronto Island.
Keine zehn Minuten braucht die Fähre, keine halbe Stunde das 2er Kayak, für die Überfahrt zum grünen Eiland, auf dem man den Trubel der Großstadt völlig hinter sich lassen konnte, um sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen. Auf der Insel angekommen, erwartet euch eine riesige, gepflegte Parkanlage, in der man immer ein Plätzchen zum entspannen findet. Nur an Kanadas Nationalfeiertag, dem Canada Day, brachte die Fähre so viele Besucher auf die Insel, dass ich mich fühlte wie beim Karneval der Kulturen.

 

Bevor wir Toronto den Rücken kehrten, und sich unsere Wege zum ersten Mal seit langer Zeit trennen sollten, ging es gemeinsam mit Julius, Anika und Janine auf einen herrlichen Rafting-Trip auf dem Grand-River, der vielleicht weniger wild als erwartet ausfiel, dafür aber andere tolle Überraschungen auftischte. Nach einem stärkenden Melonenpicknick und der freundlichen Begrüßung durch unseren Guide, gabs eine kurze Einweisung und die Schlauchboote wurden zu Wasser gelassen. Bei knallender Sonne ging es den Fluss hinab. Nur Gut, dass unsere Mädels den ultimativen Sunblocker eingepackt hatten, ohne den wir die Tour wahrscheinlich als knusprige Grillhähnchen beendet hätten.
Unterwegs gab es mehrere Zwischenstopps, an denen Richard uns ein paar schöne Orte entlang des Flusses zeigte, uns über jede Menge Gewächs aufklärte, und uns das Leben der Ureinwohner näher brachte. Zwischendurch durfte eine erfrischende Planschpause natürlich nicht fehlen – mit den Rettungswesten an Mann warfen wir uns ins Flussbett und ließen uns von der Strömung zurück zum Boot treiben. Unsere Wasservorräte konnten wir direkt an einer Quelle auffüllen, die sich am Ufer ihren Weg ins Flussbett suchte. So vergingen drei Stunden Tour wie im Fluge, und eigentlich wären wir auch gern noch ein wenig länger auf dem Wasser geblieben – leider zwang uns der stärker werdende Gegenwind zum Abbruch. Mit dem Taxi ging es zurück zum Startpunkt, an dem wir unser tolles Abenteuer ganz gemütlich ausklingen ließen.

In den darauf folgenden Tagen trennten sich schon bald unsere Wege. Um neue Erfahrungen zu sammeln, besuchten wir verschiedene Farmen, auf denen wir für unsere Arbeit mit Kost und Logis entlohnt wurden. Während Andreas einen Platz in Uxbridge fand, ging es für mich nach Stratford, etwa anderthalb Stunden westlich von Toronto. Wie es uns dabei erging, und was wir dort so erlebt haben, das erfahrt ihr in der nächsten – Sendung mit der Maus.

Zusätzliches Bildmaterial wurde diesmal freundlicherweise von Janine Mahler und Julius Volz zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!